Gibt es beim Industriedach Besonderheiten?

Bei Wohnbauten ist eine Vielzahl von Dachformen üblich. Hier weisen die Dachflächen überwiegend große Neigungswinkel auf. Der Hauptgrund dafür ist, dass dort die Dachböden beispielsweise als Stauraum sowie als Fläche zum Wäschetrocknen genutzt oder als Wohnräume ausgebaut werden. Beim Industriedach haben sich andere Formen durchgesetzt. Hier haben vor allem das Flachdach, das Pultdach und das Sheddach Hochkonjunktur. Das Sheddach ist sowohl mit winkeligen als auch gerundeten Querschnitten anzutreffen. Diese drei Grundformen werden genauso bei Mehrzweckhallen und Sporthallen sehr häufig bevorzugt.

Das Flachdach stellt als Industriedach besondere Ansprüche

Allein schon durch die typische Formgebung muss ein Industriedach hohen Anforderungen gewachsen sein. Das Flachdach weist keine oder nur eine sehr geringe Neigung auf. Der maximale Neigungswinkel beträgt beim Flachdach 10 Grad. Dadurch ist kein schneller Ablauf von Regenwasser gewährleistet. Das bedeutet, ein als Flachdach ausgelegtes Industriedach muss eine besonders hochwertige Abdichtung besitzen. Sie wird in den meisten Fällen durch die Kombination einer Folienabdichtung mit einer Harzbeschichtung garantiert. Bei einem Flachdach müssen die Folienbahnen wasserdicht miteinander verschweißt oder verklebt werden, um zu verhindern, dass Feuchtigkeit in die darunter liegenden Räume gelangt.

Ein flaches Industriedach hat durchaus auch Vorteile

Industriedächer, die als Flachdach konzipiert werden, müssen nicht einfach nur einen Witterungsschutz für die Innenräume darstellen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten der Gestaltung. So kann das Dach von Fabrikhallen beispielsweise zur Erholungsfläche für die Belegschaft werden. Dafür muss es begehbar sein und benötigt eine zuverlässige Absturzsicherung. Im einfachsten Fall wird eine Bitumenbeschichtung mit einer Folienabdichtung kombiniert. Wer seiner Belegschaft etwas mehr Komfort bieten möchte, versieht das flache Industriedach mit einem Fliesenbelag oder setzt einen Echtholzboden auf einer Lattung auf.

Das begrünte Industriedach ist ebenfalls auf dem Vormarsch. Dazu eignet sich das nur leicht geneigte Flachdach ganz besonders gut. Die Begrünung hat den Vorteil, dass sie einen umfangreichen thermischen Schutz erspart, denn die Pflanzen und das notwendige Granulat (oder die aufgeschüttete Erde) werden zu einem thermischen Puffer. Im Winter schützt die Begrünung die Fabrikhallen vor einer Auskühlung über das Dach. Im Sommer sorgt die verdunstende Feuchtigkeit von den Blättern der Pflanzen und aus dem Granulat für eine völlig natürliche Kühlung. Von Bedeutung ist zusätzlich die Entstehung neuer Biotope für Kleintiere auch in dicht bebauten Gebieten sowie die Verbesserung der Luftqualität. Außerdem tragen begrünte Dächer zum Hochwasserschutz in Regionen bei, in denen der überwiegende Teil des Erdbodens versiegelt ist.

Welche Vor- und Nachteile hat das Pultdach als Industriedach?

Einer der Vorteile der Pultdächer als Industriedächer ist der gegenüber dem Flachdach deutlich höhere Neigungswinkel. Er bewirkt ein schnelles Ablaufen von Regen. Um Schäden durch enorme Regenmengen zu verhindern, muss hier der Fokus auf hochwertige Systeme zur Dachentwässerung gelegt werden. Handelt es sich um nicht beheizte Fabrikhallen, ist es wichtig, vor allem die Fallrohre im Winter eisfrei zu halten. Das geschieht bei beheizten Hallen über die Wärmeemission der Außenwände, die sich auch bei einer hochwertigen thermischen Isolierung nicht vollständig vermeiden lässt. Die Hauptmaßnahme ist eine regelmäßige Wartung der Übergänge von den Fallrohren zur Kanalisation, damit es nicht zu einem Rückstau von Wasser in den Rohren kommt. In Einzelfällen kann sogar eine Beheizung der Fallrohre erforderlich werden.

Welche Besonderheiten bringt das Sheddach als Industriedach mit?

Ein Sheddach besteht aus mehreren zueinander geneigten Dachflächen. Eine Abwandlung stellt das wellenförmige Sheddach dar. Dafür kommen heute industriell vorgefertigte Elemente zum Einsatz, die nach dem Lamellenprinzip verbaut werden. Das Sheddach hat den Vorteil, dass es keine komplett umlaufenden Regenrinnen benötigt. Stattdessen kommen nur Sammler und Rohre an den tiefsten Stellen zum Einsatz. Wird das Sheddach insgesamt leicht geneigt, sind sie sogar nur an einer Gebäudeseite notwendig. Daraus ergibt sich die Besonderheit, dass die von einem Sheddach gebildeten Rinnen eine sehr hochwertige Folienabdichtung erhalten müssen. Beim idealen Aufbau werden die Folienbahnen an den höchsten Punkten verlegt, an denen sich kein Wasser stauen kann. Der Hauptnachteil beim winkeligen und gerundeten Sheddach besteht darin, dass sich dieses Industriedach für eine Zweitnutzung in Form einer Dachterrasse oder einer Begrünung nicht eignet.

Welche Ansprüche müssen Folienabdichtungen für Industriedächer erfüllen?

Die Folienbahnen sollten materialhomogen verschweißt werden können. Nur so werden sie vollständig dicht. Ein weiterer Grundanspruch ist die Möglichkeit der Verlegung auf allen genormten Dämmstoffen und Bitumenbahnen für Dächer. Da ein Industriedach üblicherweise eine große Fläche abdeckt, müssen die Folienabdichtungen mechanisch sehr belastbar sein, damit sie bei einem eventuellen Durchbiegen des Dachs bei hohen Schneelasten nicht reißen.

Zu den Grundansprüchen gehört außerdem die sogenannte Rhizomfestigkeit. Damit bezeichnet der Dachdecker die Widerstandsfähigkeit von Dacheindeckungen gegenüber einer Durchwurzelung. Dieser Anspruch muss insbesondere bei Flachdächern beachtet werden. Soll ein Flachdach einer Zweitnutzung zugeführt werden, liegt das Augenmerk zusätzlich bei der Belegbarkeit mit Nutzschichten. Hinzu kommen Anforderungen an die Hitzeresistenz in Betrieben, bei denen eine hohe Wärmeemission auftritt. Je nach Art der Nutzung der Fabrikhallen muss ergänzend die Resistenz gegenüber chemischen Dämpfen berücksichtigt werden.

Die Beachtung der Schneelast ist beim Industriedach besonders wichtig

Immer wieder kommt es zu Einstürzen von Fabrikhallen, Mehrzweckhallen und Sporthallen, weil das Dach der Schneelast nicht gewachsen ist. Dabei kommt es beim Industriedach sowohl auf den Aufbau der Dachflächen als auch der tragenden Systeme an. Eine reine Außenwandauflage mit einem hölzernen Dachstuhl, wie sie bei Wohngebäuden mit Satteldächern praktiziert wird, reicht hier oft nicht aus. Stattdessen kommen Stahlgerüste als Trägersysteme zum Einsatz. Je nach Fläche kann bei einer Ausführung als Flachdach oder Sheddach sogar eine mittige Abstützung erforderlich werden. Beim Pultdach kommt es auf den jeweiligen Neigungswinkel an. Er ist in der Regel aber nicht so groß, dass der Schnee abrutschen kann. Beim Sheddach müssen grundsätzlich die Werte berücksichtigt werden, die für Flachdächer gelten.

In der Bundesrepublik Deutschland richtet sich die minimale Schneelast beim Industriedach zusätzlich nach der jeweils für die Region geltenden Schneelastzone sowie der Höhe des Gebäudes über dem Meeresspiegel. Bis zu 400 Metern über dem Meeresspiegel in der Schneelastzone 1 muss das Industriedach mindestens eine Last von 65 Kilogramm pro Quadratmeter tragen können. Auf der gleichen Höhe steigt der Mindestanspruch in der Schneelastzone 1a bereits auf 81 Kilogramm pro Quadratmeter. Fazit: Die Ansprüche an die Belastbarkeit der Industriedächer müssen immer von einem erfahrenen Fachmann berechnet werden.